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arbeitet in der Wirtschaftsredaktion des STANDARD. Nebenbei studiert er Volkswirtschaft und spielt bei OnOn mit neuen journalistischen Darstellungsformen.

In Europa werden seit Jahren Milliarden hin und her geworfen. Wer wie viel bekommt und wo das Geld wirklich landet, das geht im Trubel schnell unter. Zu Beginn aber ein kleiner Schitt zurück: Worum geht es eigentlich?

Die Zeitungen sind nicht erst seit gestern voll mit dem Wort „Krise“. Die Politik versucht mittlerweile schon ein paar Jahre lang alles, um es dort nicht mehr lesen zu müssen. Damit das gelingt, hat sie einen Regenschirm aufgespannt. Zumindest nennen die Politiker das so ähnlich. Am Anfang war das der EFSM, dann der EFSF, jetzt gibt es den ESM. Wofür das alles steht, ist eigentlich egal. ESFM steht für Europäischer Finanzstabilisierungsmechanismus. Über ihn wurde am Anfang der Eurokrise die Rettung von Irland und Portugal abgewickelt. Es gab vorher noch keine Regelungen wie es sie jetzt gibt, man hat in quasi aus dem Boden gestampft. Mit der Gründung des EFSF ging auch der ESFM in die neue Institution über. EFSF steht für Europäische Finanzstabilisierungsfazilität und ist so etwas wie der ESFM, nur mit genauen Regeln. Er wurde nur befristet zur Abwicklung kurzer Hilfen für Länder gegründet. Weil die Krise aber dann immer noch da war, hat die Politik dann etwas ganz Fixes, Offizielles gegründet. Jetzt sind wir beim ESM, dem Europäischen Stabilitätsmechanismus. Einzig wichtig: Es geht um sehr, sehr viel Geld. In den letzten Jahren hat es in Europa nämlich ziemlich viel geregnet.

Bei den nicht ausgeschöpften Geldern sind auch die 58,67 Mrd. dabei, die Spanien noch beim ESM für seine Banken abrufen kann. Im Gegensatz zu den anderen Ländern ist nicht klar, ob sie in Zukunft genutzt werden. Nimmt man diese Summe weg, wurden bereits über 86 Prozent der Hilfen ausbezahlt.

Insgesamt sind in der Eurokrise schon fünf Länder gerettet worden. Eine Übersicht, wer bislang wie viel Geld von wem bekommen hat.

Dieser Artikel soll sich besonders mit den Banken beschäftigen. Die Rolle der Hilfsgelder in diesem Bereich scheint nämlich oft nur oberflächlich beleuchtet. Fließen Hilfsgelder nach Spanien, Griechenland oder Irland, dann profitieren dort davon erst einmal alle. Menschen, Unternehmen, Banken, die Politik. Wenn die Gelder aus Deutschland kommen und damit zum Beispiel spanische Banken gerettet werden, dann retten also die Deutschen die Spanier. Oder?

Nicht so schnell. Eine spanische Bank hat nicht nur spanisches Geld in ihrer Bilanz. Dort stecken zum Beispiel auch deutsche und österreichische Bankkredite oder Anleihen von Unternehmen. Wird eine spanische Bank mit Geld des Regen- oder Schutzsschirms gerettet, dann rettet man also nicht nur Spanier. Man rettet alle, die mit dieser Bank Geschäfte machen. Und das sind viele - die Globalisierung lässt grüßen.

Letztendlich zahlt die Rettung aber der spanische Steuerzahler. Ihm wird zwar über gewisse Zeit mit Krediten geholfen, für sie aufkommen muss aber schlussendlich nur er selbst. Die laufenden Zinsen dafür zahlt er jetzt schon. Für welche Banken er bezahlt, zeigt die folgende Grafik. In ihr sind lediglich die mit Geld aus internationalen Töpfen geretteten Banken enthalten, gereiht nach Höhe der Hilfsgelder.

Die aufgelisteten Zahlen sind nur Gelder, die Banken direkt erhalten haben. Banken finanzieren aber auch Staatsschulden. Kann ein Staat diese nicht mehr zurückzahlen, verliert auch die Bank ihr Geld. Rettet man also den Staat, rettet man damit gleichzeitig auch die Bank. Für den Fall Griechenland hat das die NGO Attac einmal allgemein aufgearbeitet. Ein Journalist wollte darüber hinaus herausfinden, wer das Geld denn genau bekommen hat. Sein Scheitern dokumentierte er in einem ARTE-Film.

Banken werden in der Eurokrise international also dreifach gerettet. Einzelne Banken bekommen direkte Hilfen, in Summe bis jetzt schon über 95 Mrd. Euro. Viele Banken profitieren außerdem davon, dass Länder wie Griechenland oder Spanien nicht aufgehört haben, ihre Kredite zu bezahlen. Drittens profitieren Banken davon, dass sie mit ihrem Engagement in heutigen Krisenländern mit einem blauen Auge davongekommen sind, wie die folgende Grafik noch einmal untermauert. Sie zeigt, wie viele Milliarden deutsche Banken in den Krisenländern zwischen 2005 und 2012 ausständig hatten.

Mit blauem Auge davongekommen deshalb, weil deutsche Banken vor der Krise alleine in Spanien über 315 Mrd. Euro ausständig hatten. Das können etwa Kredite an Menschen, Unternehmen oder andere Banken sein. In Irland waren es über 240 Mrd. Euro. Hätte diese Länder und deren Banken niemand gerettet, dann wäre auch der deutsche Steuerzahler zur Kasse gebeten worden.

Natürlich profitieren nicht nur Banken von den Hilfsgeldern. Auch die Griechin hat etwas davon, wenn öffentliche Schulen oder Krankenhäuser zumindest zu halbwegs annehmbaren Bedingungen weiter geführt werden können. Und bankrotte Banken heißen in erster Linie auch einmal keine Kredite und daher den totalen wirtschaftlichen Einbruch.

Trotzdem stellen die Zahlen die Hilfsgelder in ein etwas anderes Licht. Gerettet werden in dieser Krise nämlich nicht nur die „faulen Griechen“, sondern auch, um beim Klischee zu bleiben, die dicken Fische in den Banken Frankfurts sowie der durchschnittliche Deutsche in seiner Lederhose.

Bild oben: © Simone Hainz/Pixelio

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